{NACHHALTIG LEBEN} Minimalismus für Einsteiger ― Weniger ist mehr

 

Laut einer Studie besitzt jeder Mensch in Westeuropa im Durchschnitt etwa 10.000 Gegenstände. Beim ersten Lesen mag das vielleicht gar nicht so viel erscheinen, aber spätestens beim Umzug wird schnell klar, dass das schon eine ganze Menge Krempel ist. ― Minimalismus, so sagt es zumindest Wikipedia, versteht sich als „Alternative zur konsumorientierten Überflussgesellschaft“. Durch einen Konsumverzicht wird versucht Alltagszwängen entgegenzuwirken und dadurch ein selbstbestimmteres, erfüllteres Leben zu führen.

Ich fand den Weg zum Minimalismus nach der Geburt meines Sohnes. — Wir wohnten noch nicht lange in unserem neuen, alten Haus und ich hatte schon beim Einräumen der Zimmer bergeweise Ramsch aussortiert. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass mich der ganze Kram immer noch erdrückte. Vor allem aber fand ich mit meinem kleinen Babysohn nicht mehr soviel Zeit für meinen Haushalt und wünschte mir, mit meinen Aufgaben einfach schneller fertig sein zu können, um dann wieder entspannt mit dem Räuber chillen und stillen zu können.

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Heute, über drei Jahre später, hat sich unser Hausstand drastisch reduziert. Das Aufräumen geht ratzfatz, weil einfach alles (s)einen Platz hat. Es tut mir gut, sachlich und auch emotional für mehr Raum gesorgt und „Altlasten“ beseitigt zu haben. Und immer, wenn ich auf eine frei gewordene Stelle schaue, fühle ich mich innerlich befreiter. (Transparenz: Dieser Artikel enthält Links zu Unternehmen bzw. Dritt-Anbietern und daher Werbung, die jedoch nicht gesponsert wurde.)

 

„Und eines Tages fällt dir auf,
es ist wenig, was du wirklich brauchst.
Also nimmst du den Ballast und schmeisst ihn weg,
denn es lebt sich besser, so viel besser mit leichtem Gepäck.“

— SILBERMOND, Leichtes Gepäck

 

Wer darüber nachdenkt, seinen Hausrat gründlich auszumisten, wird früher oder später über Marie Kondo stolpern. Die japanische Lifestyle-Expertin, die von der TIMES zu den 100 einflussreichsten Menschen gezählt wird, beschreibt in ihrem Buch „Magic Cleaning. Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert" ihre so genannte KonMari-Methode, die dabei helfen soll, endlich Ordnung in das Chaos zu bringen.

Im Grunde ist es ganz einfach: Zuerst einmal solltest Du dir, so Marie Kondo, klar machen, warum Du aufräumen willst. Dann gehst Du zügig und „radikal“ deinen Haushalt nach Kategorien, also nicht nach Zimmern oder Schränken, durch. Am besten beginnst Du mit den Dingen, zu denen Du eine weniger starke Bindung hast, wie z.B. Kleidung, Bücher, Pflegeprodukte und Elektronik, und arbeitest dich dann zu sentimentalen Gegenständen vor. Besonders wichtig ist, dass Du jeden (!!!) Gegenstand in die Hand nimmst und nur behältst, was dich glücklich macht und Begeisterung in dir auslöst.

Zuerst fand ich diesen Gedanken etwas befremdlich und irgendwie esoterisch, aber inzwischen verstehe ich den Ansatz dahinter. Ein Gegenstand, der dir keine Freude macht, ist ein Gegenstand, den Du nicht vermissen wirst. Trotzdem würde ich den Fragenkatalog noch ein wenig erweitern: Wie oft hast Du den Gegenstand in den letzten 12 Monaten benutzt? Würdest Du ihn bei einem Umzug mitnehmen? Wenn er verloren ginge, würdest Du ihn wieder kaufen? (Oder wahlweise für Eltern: Wenn dein Kind den Gegenstand zerstören würde, wärst Du traurig?) Hebst Du ihn nur auf, weil er teuer war? — Nicht jedes Messer, nicht jede Wäscheklammer erfüllt mich mit tiefer Freude, trotzdem behalte ich sie.

Zum Schluss findest Du für jeden Gegenstand ein neues Zuhause. Denn Unordnung entsteht, so Marie Kondo, vor allem deshalb, weil wir nicht wissen, wohin wir die Gegenstände räumen sollen. Also lassen wir sie einfach herum liegen. Idealerweise bildest Du auch keine Stapel, sondern „stellst“ bzw. hängst deine Besitztümer nebeneinander in Schubläden, Regale und Schränke. So siehst Du auf den ersten Blick, was Du hast, und kannst leichter darauf „zugreifen“.

 

Klein Vieh macht auch Mist

Nach dem ersten großen Ausrümpeln ist es wichtig, viele kleine Gewohnheiten in deinen Alltag zu integrieren, um den Status Quo zu halten: Ich habe mir angewöhnt, mindestens eine Sache, besser aber zwei Sachen auszusortieren, wenn ich etwas Neues gekauft habe. (Übrigens nicht immer musst Du dir selbst etwas kaufen: Vielleicht hat z.B. eine Freundin von dir genau deine Größe und Du kannst dir für das Sommerfest deiner Firma von ihr ein Kleid leihen?) 

Was Du sonst noch tun kannst? — Kleb’ dir einen „Bitte keine Werbung einwerfen.“-Zettel an den Briefkasten. Erstens sparst du einen Haufen Müll und zweitens wirst du durch vermeintliche Schnäppchen und Sonderangebote nicht auf die Idee gebracht, ohne Notwendigkeit Geld auszugeben. (Bei der Gelegenheit kannst Du auch gleich noch dein Mail-Postfach aufräumen und deine Newsletter abbestellen.)

Zum Geburtstag oder zu Weihnachten könntest Du dir nur noch Dinge wünschen, die Du wirklich (!!!) regelmäßig (!!!) benutzt und somit auch aufbrauchst, wie z.B. dein Lieblingsparfum. Oder aber du lässt dir direkt Gutscheine für Erlebnisse, wie Kosmetik, Frisör oder Zoo schenken. Glaub’ mir, zwei Stunden Massage bringen mehr als eine Duftkerze. Du tust dir etwas Gutes, hast mal einen Moment im Alltag nur für dich und Du häufst nichts an.

Übrigens auch ein ganz heißer Tipp: Viele Produkte sind „flexibel“ einsetzbar. Mit deinem Spülmittel aus der Küche kannst Du gut und gerne auch die Wanne putzen. Pulverwaschmittel kann auch mal der WC-Reiniger sein und mit deiner Bodylotion kannst Du dir auch die Hände (und die Füße) eincremen. 

 

Unterscheide zwischen Bedürfnis und Wunsch

Nicht alles, was Du willst, brauchst Du auch. — Ich kann mich erinnern, wie ich vor gar nicht allzu langer Zeit, gern mal in die Stadt zum Bummeln vor und mir etwas kaufte, um mich selbst zu belohnen. Oder um mir nach einem schlechten Tag etwas Gutes zu tun. Manchmal hilft das, aber meistens hilft es nicht. Denn wenn Du dich heute von deinem Chef ungerecht behandelt fühlst, dann bringt es auch nichts, wenn Du morgen mit neuen Schuhen ins Büro kommst. 

Ich will an dieser Stelle gar nicht so weit ausholen, aber ich verrate mal so viel: Du kannst nichts von außen heilen, was nur von innen geheilt werden kann. Bevor Du also einem Kauf-Impuls nachgibst, frag’ dich ganz bewusst: Brauchst Du den Gegenstand wirklich? — Ich habe mir eine Liste angelegt, in der ich notiere, welche Dinge ich haben will und welche ich (dringend) brauche. Bevor ich also drauf los shoppe, warte ich mindestens drei Tage, besser aber drei Monate oder noch länger. Ist der Gegenstand dann immer noch von großer Wichtigkeit für mich, dann kaufe ich ihn. Andernfalls streiche ich ihn durch.

 

Setz' auf Qualität

Wer billig kauft, kauft zweimal. (Oder noch öfter.) — Minimalismus bedeutet nicht, geizig zu sein. Es meint, sinnvoll zu investieren. Ich bin ganz sicher kein „Konsumverweigerer“, aber ich kaufe bewusster, bedachter ein. Es mag im ersten Moment schmerzen, „so viel“ Geld für ein Paar Schuhe oder eine Pfanne auszugeben, aber es zahlt sich (fast) immer aus. Oft funktionieren die Dinge besser, sie halten länger und irgendwie haben sie mehr Wert.

Statt also z.B. fünf Jeans im Schrank zu haben, bei denen Du mit großer Sicherheit sagen kannst, dass sie von Kinderhänden unter erbärmlichsten Umständen produziert wurden und sie sich vermutlich schnell abtragen werden, solltest Du lieber (für das gleiche Geld) nur eine Jeans kaufen, an der Du lange Freude hast, weil sie eine gute Qualität aufweist, und die vielleicht sogar unter nachhaltigen und „menschlichen“ Bedingungen hergestellt wurde.

 

Der Weg ist das Ziel

Ich miste bereits seit mehr als drei Jahren aus und mittlerweile habe ich tatsächlich den Eindruck, dass ich einem minimalistischen Lebensstil schon näher gekommen bin. Aber es gibt in meinem Haushalt noch immer „Ecken“, die ich eigentlich nochmal durchgucken müsste. Deshalb: Nimm dir Zeit. — Du hast Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte gebraucht, um all den Klimbim anzuhäufen. Es ist unmöglich, von jetzt auf gleich alles bis auf das Nötigste rauszuhauen. Minimalismus zu leben, heißt ja nicht nur, Dinge wegzuschmeißen. Es bedeutet vor allem auch Loslassen. Und Loslassen kann manchmal einfach schwer sein.

 

 

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