{MAMA-LEBEN} BRAUCHEN UNSERE KINDER GRENZEN?!

 

Gerade Eltern, die (wie mein Mann und ich) bedürfnisorientiert oder gar „unerzogen“ mit ihren Kindern leben, fühlen sich oft unangenehm berührt, wenn die Frage kommt, ob sie ihren Kindern denn gar keine Grenzen setzen. Denn irgendwie mag das Wort Grenzen so gar nicht zu dieser Lebenshaltung passen und trotzdem begegnen uns Grenzen jeden Tag. Wie ist das also: Brauchen Kinder wirklich Grenzen?!

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Mit dem ersten Herzschlag haben unsere Kinder (und wir natürlich auch) zwei Sehnsüchte: Autonomie und Verbundenheit. Unser Leben lang wollen wir frei sein und uns entfalten und entwickeln dürfen, aber dabei gleichzeitig auch dazu gehören und Teil einer Gruppe sein. Wir werden im DU zum ICH.

 

„Liebe ist die einzige Beziehungsform,
in der wir frei und verbunden zugleich sein können.“

— Katharina Saalfrank

 

Was bedeutet es, frei zu sein?! Laut Wikipedia bedeutet Freiheit, die Möglichkeit zu haben, ohne Zwänge zwischen verschiedenen Optionen auswählen und entscheiden zu können. Freiheit bedeutet die Entscheidung FÜR oder GEGEN etwas. — Wenn wir nicht wählen können, weil wir keine Optionen haben oder die Optionen nicht unserem Wunsch entsprechen, dann empfinden wir uns nicht als frei. — Um das zu erläutern, nutze ich gern mein Gurken-Beispiel: Nehmen wir an, du möchtest gern eine unverpackte Bio-Gurke kaufen. Im Laden gibt es aber nur (Option 1) Gurken aus biologischem Anbau mit Plastiküberzug oder (Option 2) konventionelle angebaute Gurken ohne Hülle. Dann hast du zwar die Wahl, aber deine Entscheidung entspricht nicht deinem eigentlichen Willen.

Das Wort Freiheit hat sich übrigens aus dem indogermanischen Wurzelnomen „per(e)i“ entwickelt, was soviel heißt wie „nahe/bei“ und „das, was bei mir ist“ und sich sowohl auf den persönlichen Eigentum eines Menschen bezieht, aber auch auf die Gemeinschaft, der er angehört. So wurde jemand als frei bezeichnet, wenn er auch Teil einer Gruppe von Gleichberechtigten war. ― Mit diesem Punkt kommen wir zurück zu den eingangs erwähnten Sehnsüchten, Autonomie und Verbundenheit. Wenn wir ausschließlich das tun würden, was uns gefällt und wir damit permanent anderen Menschen auf den Schlips treten, dann wären wir sehr schnell ziemlich allein und einsam. Umgekehrt bedeutet das: Wenn wir uns mit anderen Menschen verbinden und Teil einer Gruppe sein wollen, dann ist es wichtig, dass wir die „Gebote“ dieser Gemeinschaft kennen und uns an diese halten können.

 

„Lass’ dein Kind frei,
aber lass’ es nicht verloren gehen.“

— Olivia Asiedu-Poku

 

Wir sind umgeben von natürlichen Grenzen: Wir brauchen Luft zum Atmen, die Schwerkraft hält uns am Boden, bei Nacht wird es dunkel. Und zudem haben wir noch persönliche Grenzen, die unsere Würde betreffen. Wir müssen Kindern also keine „künstlichen“ Grenzen setzen. Wir müssen sie nicht eingrenzen und ihnen Mauern aus Verboten und Maßregelungen bauen. — Aber unsere Kinder brauchen einen Rahmen. Sie brauchen Orientierung, Sicherheit, Verlässlichkeit und Halt. Das mag für den einen oder anderen nach Haarspalterei klingen, aber ich finde das Bild so unheimlich passend: „Rahmen werden meist mit Liebe und sehr wählerisch ausgesucht. Sie sollen zu Bild und Umgebung passen, das Kunstwerk schützen. Dennoch soll es vollständig sichtbar sein, mit allem, was es ausmacht. Rahmen werden ab und an gewechselt, wenn beispielsweise die Wand neu gestrichen wird, und die Rahmenfarbe nicht mehr stimmig scheint. Niemand hängt am Rahmen mehr, als am Bild.“ So wunderschön beschreibt es Olivia Asiedu-Poku in diesem Beitrag auf ihrem Blog FreeFamily.Rocks

Dieser Rahmen ergibt sich im ehrlichen und wertschätzenden Miteinander von ganz allein. Und mit diesem Rahmen „grenzen wir uns nicht voneinander ab“, sondern wir schaffen Zugehörigkeit. Wir beziehen uns aufeinander. — Und wir übernehmen Verantwortung. Für uns und für unsere Familie. Auch ich möchte nicht von meinem Räuberjungen gehauen werden, aber nicht, weil ich Angst habe, dass aus ihm mal ein grober Schläger werden könnte oder weil „Das macht man aber nicht!!!“, sondern weil es MIR einfach weh tut. 

Kinder erleben diesen Rahmen also am besten dadurch, dass wir Eltern uns unserer eigenen Grenzen bewusst werden. So dass wir selbst wissen, was wir WOLLEN (und was wir nicht wollen) und uns dem entsprechend dann auch positionieren können. Sie erfahren: „Meine Mama hat da eine Grenze.“ Und in dem wir ihre Grenzen respektieren und nicht überschreiten, spüren sie: „Da ist für mich eine Grenze. Und ich darf das auch sagen.“ — Katharina Saalfrank fasst diesen Gedanken in ihrem Buch „Kindheit ohne Strafen“ sehr schön zusammen: „Die Frage muss also umgekehrt lauten: Wie können Eltern mit ihren eigenen Grenzen sichtbar werden, damit Kinder auch ihre eigenen Grenzen erfahren und kennenlernen können.“

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Wenn wir unseren Kindern keine Orientierung geben, dann sind sie nicht frei, sondern verloren und allein gelassen. Sie irren los, ohne Richtung und ohne Bezug. Das ist gefährlich und wir übernehmen keine Verantwortung. — Es ist wichtig, dass wir unsere Kindern freundlich und auf Augenhöhe an die Hand nehmen und ihnen sagen: „Ich bin für dich da. Ich gebe auf dich Acht. Ich lasse dich an meinen Erfahrungen teilhaben." Dass wir ihnen aber gleichzeitig auch all unser Vertrauen schenken und ihnen bestimmte Handlungen zutrauen, ihnen etwas zumuten. Und dass wir offen sind, wenn Kinder unsere „Gebote“ auch mal in Frage stellen: Ist es mir wichtig, dass wir am Tisch sitzen bleiben, bis alle aufgegessen haben, weil es MIR wichtig ist oder weil MAN das eben so macht?! Will ich nicht, dass mein zwei Jahre altes Kind mit einem scharfen Messer schneidet, weil "Dafür bist du noch zu klein." oder weil mir mein Kind so wichtig und wertvoll ist, dass ICH nicht möchte, dass es sich verletzt. 

Was am Ende wirklich zählt, ist die Beziehung. ― Es gibt kein RICHTIG oder FALSCH. Jeder Rahmen, den eine Familie für sich absteckt, ist individuell, angepasst an die verschiedenen Bedürfnisse. Er darf und muss sich verändern mit der Entwicklung, die in der Familie stattfindet. Und er darf regelmäßig überprüft werden, ob er noch passt und stimmig ist. Dann kann ein Rahmen, oder wie auch immer du es nennen magst, WACHSTUM bedeuten. Und Freiheit.

 

 

Habe ich dich neugierig gemacht, hast du Fragen oder Anregungen?! Sagt dir dein Bauch, dass ich genau die richtige Fotografin für dich sein könnte oder einfach genau die Mama, mit der du mal einen Kaffee trinken möchtest?! Dann freue ich mich riesig auf deine Nachricht über das Kontaktformular, per Mail an hallo@karolinroegner.com sowie via WhatsApp oder ― ganz altmodisch ― übers Telefon unter 0151 65105246.