{MAMA-LEBEN} „ICH HÖRE DIR ZU.“ ― MIT KINDERN INS GESPRÄCH KOMMEN

 

„Schön, dass du da bist.“ — „Du solltest dich schämen.“ — „Ich freue mich dich zu sehen.“ — „Ich warne dich.“ — „Kann ich dir helfen?“ — „Reiß’ dich zusammen.“ — „Ich bin immer für dich da.“ — „Da guckt man nicht hin.“ — „Wir finden zusammen eine gute Lösung.“ — „Wie du wieder aussiehst.“ — „Ich mag dich, so wie du bist.“ — „Mund zu beim Essen.“ — „Ich bleibe, wenn du mich brauchst.“ — „Du nervst.“ — „Ich habe an dich gedacht.“ — „Du sollst lieb sein.“ — „Du bist mein kleines Glück.“ — „Geh’ in dein Zimmer.“ — „Ich sehe dich.“

Worte haben eine ungeheure Macht. Sie können Mauern sein. Oder Brücken. Sie können demütigen, abwerten, verurteilen, kränken. Sie können uns aber auch das Gefühl geben, dass wir geliebt, angenommen, geborgen und willkommen sind. — Als (Sprach-)Vorbilder unserer Kinder haben wir eine riesige Verantwortung. Wir prägen nicht nur ganz entscheidend ihren Wortschatz und die Art, wie sie mit ihren Mitmenschen reden. Unsere Kinder verinnerlichen all die vielen Sätze, die wir jeden Tag zu ihnen sagen. Sie werden zu ihrer „inneren Stimme von morgen“ und bestimmen, wie sie ihre Welt sehen, wie sie sich selbst sehen.

 

Kommunikation ab dem ersten Herzschlag

Unsere Kinder kommunizieren von Beginn an mit uns. Schon im Mutterleib machen sie über ihre Aktivität auf sich aufmerksam. Sie werden wach, wenn der Papa abends von der Arbeit nach Hause kommt oder sie treten sehr energisch, weil sie sich beim Autofahren beengt fühlen. — Nach der Geburt teilen sie sich über Laute, Gestik, Mimik und ihre Körperbewegungen mit. Anfangs ist es oft nicht so leicht, sich auf diese Ausdrucksweise einzustellen; wir müssen erst lernen, die Sprache unserer Kinder zu verstehen. Den Kopf hin und her drehen, an der Hand lutschen und die Zunge herausstrecken, das kann z.B. heißen „Mama, ich habe Hunger.“

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Kommunikation ist dabei nicht einseitig. Unsere Kinder sind sehr aktiv an ihrer Sprachentwicklung beteiligt. Sie lernen uns kennen, reagieren auf uns und imitieren uns. Gemeinsam bilden wir eine Familiensprache aus, wobei unsere Kinder uns stets als Vorbild erleben. — Über diese frühesten Erfahrungen unserer Kinder, dass ihre Gefühle richtig verstanden werden und sie mit ihren Ausdrucksformen etwas bewirken können, entstehen sichere, tragfähige Bindungsbeziehungen und Vertrauen unserer Kinder in ihre Umwelt und auch in sich selbst.

Schon ab dem ersten Lebenstag ist es daher wichtig und sinnvoll, mit unseren Babys zu reden. Auch wenn sie den Inhalt unserer Äußerungen noch nicht verstehen, können wir ihnen allein durch unsere Stimmlage, die Sprechgeschwindigkeit, unsere Mimik und Gestik Wärme, Herzlichkeit, Nähe und Geborgenheit vermitteln, ihnen so sagen, wie wir zu ihnen stehen. Und: Wir können Geschehnisse und Handlungen ankündigen: „Emil, ich geh’ mal kurz auf die Toilette. Ich bin gleich wieder da.“ — Unsere Kinder haben so die Möglichkeit, zu erfahren, was gleich (mit ihnen) passiert; sie können sich darauf einstellen und werden nicht überrumpelt. Das gibt Sicherheit.

Etwa um den ersten Geburtstag können unsere Kinder Zeigegesten und der Blickrichtung ihrer Bezugspersonen folgen (bzw. selbst auf etwas zeigen) und dies mit Sprache verknüpfen. Diese so genannte geteilte Aufmerksamkeit, im Englischen auch Joint Attention, bei der wir uns mit unseren Kindern mit einem gemeinsamen (Gesprächs-)Gegenstand beschäftigen, gilt als eine Grundvoraussetzung für das Erlernen von Sprache. Mit ihr stehen nun nicht mehr nur unsere Kinder und ihre Handlungen im sprachlichen Fokus, sondern immer mehr auch unsere Umwelt.

 

Wertschätzende Kommunikation

So, wie wir uns wünschen, wie unsere Kinder mit uns sprechen, so sollten wir auch mit ihnen sprechen. Wertschätzende Kommunikation fängt also bei uns selbst an. Und es braucht nicht viel. Auf einem schönen Boden aus Respekt und ehrlichem Interesse kann so eine bunte, vielfältige Kommunikationskultur wachsen.

Zuhören. Einander ausreden zu lassen und sich zuhören, ohne diese beiden „Zutaten“ kann kein echter Dialog entstehen. — Beim so genannten einfachen Zuhören laden wir unsere Kinder zum Reden ein. Durch ein kurzes Nicken, hochgezogene Augenbrauen oder kleine Äußerungen, wie z.B. „Hm.“, „Und weiter?!“ oder „So?!“ zeigen wir, dass wir am Gespräch interessiert sind. Beim mitfühlenden, aktiven Zuhören fassen wir das, was unsere Kinder erzählen, noch einmal mit eigenen Worten zusammen. Wir versetzen uns in die Gedanken- und Gefühlswelt unserer Kinder, wollen wirklich verstehen. Während vorschnelle Antworten, Ratschläge und fixe Lösungen, Bewertungen oder anklagende Fragen ein Gespräch eher abbrechen, bleiben wir so in Kontakt.

Korrektives Feedback. Gerade in den ersten Lebensjahren sprechen unsere Kinder noch viele Worte „falsch“ aus, weil sich einige Buchstaben noch nicht gleich gut im Mund bilden lassen. Sie auf ihre Fehler hinzuweisen, sie zu verbessern oder sie mit einem „Wie heißt das richtig?!“ aufzufordern, das Wort noch einmal korrekt auszusprechen, hemmt ihre Sprachproduktion und Sprechfreude mehr, als diese zu fördern. Über das korrektive Feedback jedoch, können unsere Kinder — ganz nebenbei und ohne beschämt zu werden — noch einmal hören, wie das Wort richtig ausgesprochen wird und erhalten gleichzeitig die Rückmeldung: „Ich habe dich wahrgenommen.“

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Formen der Höflichkeit. „Bitte.“ und „Danke.“, „Guten Tag.“ und „Auf Wiedersehen.“ oder „Verzeihung.“, gehören in unserer Gesellschaft zum „guten Benehmen“. — Wenn wir unseren Kindern jeden Tag vorleben, wie wir aufrichtig freundlich und „anständig“ mit unseren Mitmenschen umgehen, werden unsere Kinder uns ganz von sich aus nachahmen und diese Redewendungen in ihren Sprachgebrauch übernehmen. Statt also das „Zauberwort“ von unseren Kindern einzufordern, sollten wir uns fragen, wie wir diese Worte im Alltag nutzen, vor allem auch im Kontakt mit unseren Kindern?! Ein ehrliches Dankeschön von Herzen lässt sich nicht abrufen, es muss aus dem Inneren kommen.

Körperliche Nähe. Tiefgründige Gespräche brauchen meist Nähe. So können wir eine kleine aufgeregte Kinderhand halten, uns einander in die Augen schauen, über den Rücken streicheln oder in den Arm nehmen; wir können wirklich DA sein. Gerade Sprachanfänger „profitieren“ doppelt, denn sie können unsere Mundbewegungen beim Sprechen aus der Nähe besonders gut sehen.

(Ich habe festgestellt, dass es manchmal auch gut sein kann, Distanz herzustellen. Gerade wenn der Räuber nach Lösungen für ein Problem sucht, trete ich bewusst einen Schritt zurück und hocke mich etwa einen Meter entfernt seitlich neben ihn. So können wir in Kontakt bleiben und er ist trotzdem für sich und bei sich und hat sprichwörtlich „freie Sicht“.)

Offene Fragen. Mit zunehmendem Alter unserer Kinder können wir ihnen mehr und mehr Fragen stellen, die sie anregen, eigene Gefühle und Gedanken wahrzunehmen und auszudrücken: „Wie siehst du das?!“, „Wie geht es dir damit?!“ oder „Was brauchst du?!“ — Mit diesen Fragen signalisieren wir, dass uns die Meinung unserer Kind wichtig ist und interessiert. Gerade in Konflikten kann es toll sein, über ein „Wie würdest du es gern machen?!“ unsere Kinder anzuregen, selbst kreativ zu werden und Ideen für eine gemeinsame Lösung zu finden.

Am Abend, meist kurz vor dem Schlafen, frage ich den Räuber gern: „Was war heute dein schönstes Erlebnis?! Was hat dir am besten gefallen?! Was hat dir am meisten Freude bereitet?!“ — Im Grunde eine kleine Achtsamkeitsübung. Sie lenkt den Fokus auf das Schöne, lässt uns dankbar sein und den Tag mit guten Worten beenden.

 

 

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